Musikrichtungen rock pop gospel christlichen

 

Interview Jean-Paul Prat

INTERVIEW
Musikrichtungen : Rock, Pop, Gospel

Verein Caldeira  –  Jean-Paul Prat

Wir haben heute Jean-Paul  Prat bei uns zu Besuch. Er ist Diakon, der Gründer de Gemeinschaft der „Apôtres  de la Paix“ (Friedensapostel), Komponist und Bandleader de Gruppe Aquero. Jean-Paul ist verheiratet und hat fünf Kinder. Er lebt seit 20 Jahren mit anderen Mitgliedern in einem Haus der Gemeinschaft in der Nähe von Lyon. Er animiert ebenfalls, die von ihm gegründeten Workshops, die er „Ephphata“ nennt. Diese haben zum Ziel, eine Vermenschlichung und eine weiter Öffnung zum Leben zu schaffen.


Caldeira: Was bedeutet es für sie, Christ zu sein?

Jean-Paul Prat: Das bedeutet für mich, zu glauben, auch gegen allen Anschein, daβ die Güte Gottes dem Menschen ermöglicht Intelligenz, Feinfühligkeit und desinteressierte Liebe unter Beweis zu stellen.

Caldeira: Und sie meinen also, dass der Anschein Anderes vermuten lässt…?

Jean-Paul Prat: Wir leben in einer Gesellschaft, in der eigentlich immer nur das Gegenteil gelebt wird. Diese Gesellschaft produziert Menschen, die nicht in der Lage sind einen eigenen Gedanken zu fassen. Sie hören nicht mehr, sehen nicht mehr und verwechseln ihre Aufrichtigkeit mit der Wahrheit.

Caldeira: Übertreiben sie da nicht?

Jean-Paul Prat: Ich stelle nur fest, und ich glaube nicht dass meine Beobachtungen übertrieben sind. Das hindert natürlich nicht daran, daβ es auch Ausnahmen gibt.

Caldeira: Halten sie sich für so eine Ausnahme?

Jean-Paul Prat: Wenn man sich der absoluten Notwendigkeit bewusst ist, daβ der Mensch sich wieder selbst bewohnt, daβ er im tiefsten seines Herzens die Gegenwart dessen erkennt, der ihm seine wahre Identität offenbart und daβ er wahrnimmt, welche immensen Möglichkeiten ihm offen stehen, ja dann denke ich gehört man schon zu diesen Ausnahmen. Jeder der selber diesen Weg eingeschlagen hat gehört dazu. Hierbei handelt es sich keineswegs um irgendeine Art von Verdienst oder Überlegenheit. In diesem Sinne, bin auch ich eine Ausnahme.

Caldeira: Der Papst Benedikt hat vor kurzem eine Ansprache gehalten, in der er sich an die Künstler  richtet. In ihr wiederholt er, was auch schon sein Vorgänger Johannes-Paul de Zweite mehrfach gesagt hat: „Wir brauchen Euch!“ Fühlen sie sich da angesprochen? Halten sie sich für einen Künstler?

Jean- Paul Prat: Ich bin glücklich darüber, dass unser jetzige Papst den Dialog mit den Künstlern weiterführt. Es ist von größter Wichtigkeit für die Kirche, daβ sie diese Worte „Wir brauchen Euch“ aus dem Munde ihres Oberhauptes hört und annimmt. Ich würde ihm gerne das gleiche antworten: „Wir brauchen Sie.“
Ich nehme mich tatsächlich als einen Künstler wahr.

Caldeira: Weshalb? Gibt es irgendwelche objektiven Kriterien, nach denen man einen Künstler definieren kann? 

Jean-Paul Prat: Ich fühle mich schon seit sehr langer Zeit, wie von meinem Inneren getrieben, durch die Schönheit, durch eine gewisse Fantasie, Öffnungen zum Himmel zu schaffen.
Wahre Kunst, schafft diese Öffnungen, nach denen sich die Menschen sehnen. Es ist eine Sehnsucht, nach etwas, dass den Menschen überragt.
Heutzutage streben nur wenige von denen, die als Künstler angesehen werden und die das notwendige Talent mitbringen, nach dieser Größe. Die Meisten von ihnen, dienen nur sich selber, entweder ihrem Bankkonto oder aber ihrem persönlichen Ruhm.

Caldeira: Aus ihren Schilderungen hört man einen gewissen Pessimismus heraus, und auch ein hartes Urteil unserer Gesellschaft gegenüber. Steht diese Einstellung nicht in gewisser Weise im Gegensatz zu der Hoffnung, von der sie zu Anfang gesprochen haben?

Jean-Paul Prat: Das hat nichts weder mit Pessimismus noch mit einem Urteil zu tun, wenn ich die Dinge so betrachte wie sie tatsächlich sind. Es wäre pure Dummheit, die Augen der Wahrheit gegenüber zu verschließen, aus Angst, dass man diese Wahrheit nicht ertragen kann. Dennoch tut man dies allzu häufig. Man schiebt eine positive Weltanschauung vor, um nicht mit der Armseligkeit (oft auch der eigenen) dieser Welt konfrontiert zu werden. Auf diese Art und Weise streben wir eine Form des Überlebens an, dabei sind wir zum Leben geschaffen!

Caldeira: Jean-Paul, sie sind ebenfalls Sänger und Leader der Gruppe „Aquero“. Halten sie ihre Lieder für Kunst?

Jean-Paul Prat: Sie stellen eine wichtige Frage. Ich denke nicht, dass man die Lieder unserer Gruppe als herausragende Kunstwerke betrachten kann. Es ist eine grundsätzliche Frage, ob Lieder dies überhaupt leisten können.
Dennoch glaube, nach reiflichen Überlegungen, dass Aquero etwas schafft, daβ tatsächlich größer ist, als es zunächst scheinen mag. Viele Leute nehmen dies wahr und erkennen hinter den freundlichen Liedern einen Reichtum, der einem nicht direkt ins Auge sticht. In diesem Sinne, kann man zwar nicht behaupten, daβ Aquero überragende Kunstwerke kreiert, wohl aber Künstlerisches schafft. 

Caldeira: Sind ihre Lieder nicht einfach nur ein Vorwand oder ein Aufhänger, um ihren Glauben mitzuteilen? 

Jean-Paul Prat: Auf gar keinen Fall! Gerade deshalb bin ich ständig auf der Suche nach einer Sprache (sowohl was die Wortwahl, als auch was die Musik angeht), die Leben vermittelt, ohne unbedingt den Glauben hervorzuheben. Es ist nicht unbedingt einfach, eine eindeutige Worte zu finden, die klar zeigt, dass unser Freude, unser Frieden und unsere Einfachheit dem Glauben an Jesus Christus entspringen, ohne die Menschen ihrer eigenen Meinungsfreiheit zu berauben. Es sind die ungeschminkte Schönheit, die Einfachheit und die Freude, die in erster Linie berühren sollen, und den Menschen das Verlangen nach diesem Glück vermitteln sollen.
Es ist so wie mit dem Gleichnis von dem Schatz im Feld, von dem im Evangelium die Rede ist. Der Mann verkauft alles was er hat, um dieses  Feld besitzen zu können. Wir wollen nicht, dass die Leute Mitglieder in der „Katholiken – Partei“ werden; auch nicht, dass sie sich zu irgendwelchen Gedankengut bekennen, selbst nicht zu christlichem. Es geht eher darum, dass die Menschen mit Jesus Freundschaft schlieβen, daβ sie, ihn als den Weg, die Wahrheit  und das Leben erkennen und erleben.

Caldeira: Was sie da sagen ist beeindruckend. Wie erklären sie es sich, dass sie, trotz dieses Zieles, das ja eine tiefgründige Überlegung über das was Evangelisierung eigentlich sein sollte verrät, letztlich nur wenig auftreten? Wenn ich sie reden höre, denke ich mir, dass die Kirche sie im Gegenteil eher zuviel als zuwenig zum Einsatz kommen lassen sollte!

Jean-Paul Prat: Na da sind wir dann ja der gleichen Meinung! (lacht). Allerdings befürchte ich, dass selbst die Christen häufig nur das suchen, was sie bereits kennen, das was sie nicht unbedingt auf unbekannte Wege führt. Nehmen wir doch das Beispiel der Jugendevangelisierung. Meistens geht’s es einfach nur darum den Jugendlichen möglichst gut zu gefallen und sich so auf eben das Gleiche zu bieten, was die Welt heute den Jugendlichen gibt. Ich dagegen meine, dass man den Jugendlichen neue Horizonte eröffnen sollte.

Caldeira: Meinen sie denn, daβ wenn sie den Jugendlichen etwas anbieten, was nicht ihrem Geschmack entspricht, daβ sie darauf eingehen würden?

Jean-Paul Prat: Schon. Man muss nur Wege findet, um sie entdecken zu lassen, daβ sie auch Dinge mögen können von denen sie das zuvor nicht für möglich gehalten hätten. Damit meine ich natürlich nicht, daβ man ihnen eine Musik nahe bringen sollte für die sie total verschlossen sind, aber man kann durchaus, ausgehend von dem was sie hören, sie zu Größerem führen.
Haben sie nie bemerkt, dass sich die Musik vieler Gruppen, die unsere Jugendlichen hören, schnell im Kreise dreht?

Caldeira: Was meinen sie damit?

Jean-Paul Prat: Man ist schnell mit einer gewissen Monotonie konfrontiert. Ein Lied ähnelt dem anderen.

Caldeira: Sprechen sie jetzt speziell von den Gruppen, die christliche Musik machen?

Jean-Paul Prat: Nein, ich spreche im Allgemeinen von der heutigen Musik, was die christliche natürlich nicht ausschließt. Sowohl der musikalische als auch der textliche Inhalte der meisten christlichen Musik ist eher armselig. Es reicht halt einfach nicht nur ein paar Jugendliche in einer Band zu versammeln. Der Lobpreis ist ganz und gar kapital im christlichen Leben und es ist durchaus wichtig, daβ es Konzerte gibt, in denen Männer und Frauen ihren Glauben ganzheitlich ausdrücken können. Deshalb darf man aber dennoch nicht Kunst und Lobpreis miteinander verwechseln. Wo sind die christlichen Musiker, die neue Horizonte eröffnen und die das Risiko eingehen nach Neuem und Schönen zu suchen, anstatt einfach nur einen Abklatsch von Altbekanntem zu servieren? 

Caldeira: Ich weiß, daβ sie außerhalb von Aquero auch die Gruppe Masal, ihre ehemalige Gruppe, wieder zusammengeführt haben. In den nächsten Tagen soll ein CD au f den Markt kommen. Hoffen sie damit eine Erwartung zu erfüllen? 



Jean-Paul Prat: Ich habe wieder damit begonnen diese Musik zu spielen, einach da es mir ein innrers Bedürfnis war. Ich habe zwar keine Ahnung, ob sie bei einem breiten Publikum ankommt, aber ich bin überzeugt, daβ sie etwas vom Gottesreich zu erkennen gibt, allein durch ihre Struktur. Der fehlende Text, dadurch dass es keine „message“ gibt, verleiht dieser Musik eine gewisse Universalität. Ich selbe empfinde diese Musik als tiefgehend und komisch gleichzeitig, sie vermittelt einfach eine große Freiheit. Somit entspricht diese Musik wohl einem wirklichen Bedürfnis, aber ob sich die Leute dieses Bedürfnisses bewuβt sind ist noch ein ganz andere Frage. 

Caldeira: Sehen sie einen Zusammenhang zwischen dieser Musik und den Ephphata-Workshops, die sie seit beinahe 25 Jahren anbieten?

Jean-Paul Prat:  Die Pedagogik, die ich Ephphata nenne, entspringt meiner Musik, ist aus ihr heraus entwickelt worden. Sie hilft den Menschen in sich selbst zu gehen, ihren heiligen Ort zu betreten, dort wo Gott lebendig ist. Wenn man in Ihm verweilt, in Ihm der in uns gegenwärtig ist, so öffnen sich unsere Ohren und unsere Augen. Die Gemeinschaft der „Apôtres de la Paix“, Aquero, Masal, als dies sind Instrumente im Dienst des wahren Lebens und des wahren Friedens. Alle Menschen sollten diesen Weg gehen, der sie in sich selbst führt. Wer dort verweilt, wird zum Friedensstifter, er steht über allen Kämpfen und Besserwissereien. Er ist im Frieden und entgeht der vorherrschenden Hektik. Die Stimme dessen der dort verweilt, wird in dieser Welt zu einem machtvollen Zeugnis der Liebe. 

Caldeira: Ich danke ihnen herzlich für ihre lebendige Botschaft und wüsche ihnen, daβ ihre Musik, vielen Menschen Frieden und Freude vermitteln soll.

Jean-Paul Prat: Ich danke ihnen für die Zeit, die sie sich genommen haben, und ihre treffenden Fragen.


 Um weiter zu gehen:
gruppe gospel

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